Bauphysik · Materialien · Aufbauten

Die Technik
dahinter

Ein gesundes Haus ist kein Zufall, sondern eine Frage des Aufbaus. Wir bauen ausschließlich diffusionsoffen, mit Stroh, Holz und Lehm. Hier zeigen wir, wie eine Wand atmet, wie unsere Dächer gedämmt sind und warum wir auf Schraubfundamente und Stampflehm setzen.

Das Grundprinzip

Was bedeutet
diffusionsoffen?

Eine diffusionsoffene Wand kann Wasserdampf aus dem Raum aufnehmen und wieder abgeben. Sie „atmet“, nicht im Sinne von Zugluft, sondern indem sie Feuchtigkeit durch die Konstruktion wandern lässt, statt sie einzusperren.

Wir verwenden dafür ausschließlich ökologische, kreislauffähige Baustoffe: ohne chemische Holzschutzmittel, ohne Styropor, ohne Kunststoff-Folien. So bleibt die Luftfeuchtigkeit im Raum von selbst ausgeglichen, und die Wand ist vor Feuchteschäden und Schimmel geschützt.

1 · Aufnehmen

Steigt die Luftfeuchte im Raum, etwa beim Kochen, Duschen oder Schlafen, nehmen Lehm und Holz den überschüssigen Wasserdampf auf.

2 · Puffern

Die Feuchtigkeit wird in den Baustoffen zwischengespeichert, statt an der Oberfläche zu kondensieren. Das hält Spitzen aus dem Raumklima heraus.

3 · Abgeben

Wird die Raumluft wieder trockener, geben die Materialien die Feuchte langsam zurück. Das Klima pendelt sich von selbst ein.

Warum uns das wichtig ist

Erkunde den Schnitt

Ein Naturhaus
im Querschnitt

Gebäudeschnitt durch ein Naturhaus: gedämmtes Pultdach, zwei Geschosse mit diffusionsoffenem Wandaufbau, Geschossdecke aus Holz, gedämmter Bodenaufbau und ein in den Boden gedrehtes Schraubfundament

Tipp auf die Punkte für Details zu jedem Bauteil, ganze Zeichnung ansehen

3D-Darstellung des Wandaufbaus mit den Schichten Lehmputz auf Schilfstukkatur, Diagonalschalung, Baustrohballen zwischen Konstruktionsholz und Kalkputz, von innen nach außen

Tipp auf die Schichten, von innen (Lehm) nach außen (Kalk).

Schicht für Schicht

Der
Wandaufbau

Jedes Material wird seinen Stärken entsprechend eingesetzt: zertifizierte Baustrohballen oder Zellulose als Dämmung, Holz als tragende Struktur, eine Kalk- oder Holzfassade als Wetterschutz und Lehmputz innen als feuchteregulierende Schicht und zusätzliche Speichermasse.

  1. 01 Lehmputz auf SchilfstukkaturDie innerste Schicht reguliert die Raumluftfeuchte, bindet Gerüche und bringt Speichermasse in die Wand.
  2. 02 DiagonalschalungEine diagonal verlegte Holzlage steift die Konstruktion aus und trägt die innere Putzebene.
  3. 03 Baustrohballen zwischen KonstruktionsholzZertifizierte Strohballen füllen das tragende Holzständerwerk und bilden die hochwirksame Dämmebene.
  4. 04 KalkputzAußen schützt ein Kalkputz, alternativ eine Holzfassade, vor Wind und Wetter und bleibt dabei diffusionsoffen.

Aufbau von innen nach außen.

Die Dämmebene

Stroh, das wir
selbst verdichten

Stroh ist regional, nachwachsend und braucht als Dämmstoff kaum Herstellungsenergie. In das Holzständerwerk eingebracht und gleichmäßig verdichtet, ergibt es eine lückenlose, hochwirksame Dämmung, und gleichzeitig den Träger für den Lehmputz innen und den Kalkputz außen.

Mehr über Dämmen mit Stroh
Zwei Personen verdichten mit einem Holzschlägel Strohballen in einem hölzernen Wandelement auf der Baustelle
Dämmen mit Stroh

Jeder Stoff macht seinen Job

Stroh, Lehm, Holz
& Kalk

Diffusionsoffen funktioniert nur, weil jedes Material genau das tut, was es am besten kann. Vier Naturstoffe, vier klare Aufgaben.

Dämmt & puffert Feuchte

Stroh

Verdichtete Strohballen dämmen hochwirksam und sind die diffusionsoffenste Schicht der Wand. Stroh nimmt Feuchte auf und gibt sie wieder ab, solange es nach außen austrocknen kann.

μ ≈ 1–2

Reguliert & hält trocken

Lehm

Lehm puffert die Raumluftfeuchte und transportiert Feuchte kapillar ab. So hält er die ganze Konstruktion im trockenen Bereich, und ersetzt funktional die Dampfbremse.

μ ≈ 5–10

Trägt

Holz

Das Ständerwerk und die Diagonalschalung tragen alle Lasten und steifen die Wand aus. Geschützt durch Dachüberstand, Sockel und die trockene, diffusionsoffene Konstruktion.

Tragwerk

Schützt außen

Kalk

Kalkputz ist der diffusionsoffene Wetterschutz: kapillaraktiv, sodass die Wand abtrocknet. Niemals Zementputz, der würde die Feuchte einsperren.

Wetterschutz

Der ehrliche Vergleich

Warum nicht
konventionell?

Ziegel, Beton und Vollwärmeschutz funktionieren, aber sie funktionieren anders. Der Unterschied liegt nicht in einem einzelnen Bauteil, sondern im Prinzip: Feuchte aussperren oder mit ihr arbeiten.

Zum Vergleichen nach links wischen

Vergleich zwischen konventioneller Bauweise und Naturhaus-Bauweise nach fünf Kriterien
Kriterium Konventionelle Bauweise Naturhaus-Bauweise
Feuchte Dampfbremsen und Folien sperren Feuchte aus der Konstruktion aus Diffusionsoffen: Die Wand nimmt Feuchte auf, puffert sie und gibt sie wieder ab, ganz ohne Folien
Raumklima Die Regulierung übernimmt vor allem das Lüften bzw. die Lüftungsanlage Lehm und Stroh gleichen die Luftfeuchte von selbst aus; Lehm bindet zusätzlich Gerüche
Rohstoffe Energieintensiv hergestellt: Zement, gebrannter Ziegel, Dämmstoffe auf Erdölbasis Nachwachsend und regional: Stroh, Holz und Lehm, kurze Wege
Graue Energie Hoch, vor allem durch Beton und Kunststoff-Dämmstoffe Sehr gering, Stroh als Dämmstoff braucht kaum Herstellungsenergie
Rückbau Verbundmaterialien wie verklebter Vollwärmeschutz sind schwer zu trennen und aufwendig zu entsorgen Sortenrein trennbar und voll rückbaubar, die Materialien können in den Kreislauf zurück

Vereinfachte Gegenüberstellung typischer Aufbauten, im Detail hängt vieles vom konkreten System ab. Häufige Fragen dazu beantworten wir im FAQ.

Über dem Kopf

Das
Dachsystem

Unsere Dächer sind mit hochwertiger Zellulose oder Baustroh gedämmt, vom klassischen Steildach mit Ziegeldeckung bis zum begrünten Pultdach. Die Dämmung wird lückenlos eingebracht, dieselbe diffusionsoffene Logik wie in der Wand zieht sich bis unters Dach durch.

  1. 01 TondachziegelDie wetterführende Deckung, robust, wartungsarm und im Ortsbild vertraut.
  2. 02 Hinterlüftete LattungKonterlattung und Lattung schaffen eine belüftete Ebene unter der Deckung.
  3. 03 Diffusionsoffene UnterdeckbahnSchützt beim Bau vor Nässe, lässt aber Wasserdampf von innen nach außen durch.
  4. 04 Dämmung: Zellulose oder BaustrohFugenlos eingebracht zwischen den Sparren, die eigentliche Dämmebene.
  5. 05 Sparren & Diagonalschalung, Lehmputz innenTragwerk, Aussteifung und die raumseitige, feuchteregulierende Oberfläche.
01 Ziegeldeckung 02 Lattung, hinterlüftet 03 Unterdeckbahn 04 Dämmung 05 Sparren & Schalung Lehmputz innen außen innen

Vereinfachter Schnitt, Reihenfolge der Schichten, nicht maßstäblich.

Steildach mit Ziegeldeckung

Die bewährte Form: ein dicht gedämmtes Steildach mit klassischer Ziegeleindeckung, robust, wartungsarm und vertraut im Ortsbild des Wechsellandes.

Begrüntes Pultdach

Gründächer punkten mit zusätzlichem Kühleffekt an heißen Tagen und wirken bei Starkregen wie ein Schwamm, sie halten Wasser zurück und geben es verzögert ab.

Gegründet ohne Beton

Schraub­fundamente

Klassische Fundamente erfordern umfangreiche Erdarbeiten und lange Aushärtungszeiten, mit hohem Material- und Energieeinsatz. Schraubfundamente werden dagegen direkt in den Boden gedreht: eine schnelle, flexible Methode mit minimaler Erdbewegung und kleinem ökologischem Fußabdruck, ideal für viele Bauprojekte.

Klassisches Betonfundament

Aushub, Schalung, Bewehrung und Beton, viel graue Energie, lange Aushärtung und ein dauerhafter Eingriff in den Boden.

Schraubfundament

Wird direkt eingedreht, ist sofort belastbar, lässt sich rückstandslos wieder entfernen und stört das Erdreich nur punktuell.

Handwerker glättet mit einem Holzwerkzeug die Oberfläche einer Stampflehmwand unter einem hölzernen Dachstuhl
Stampflehm von Hand

Erde, geschichtet

Stampflehm

Wände und Böden aus gestampfter Erde sind nicht nur ästhetisch ansprechend, durch ihre enorme Speichermasse tragen sie auch zu einem ausgeglichenen Raumklima bei. Eine Stampflehmwand erzählt immer eine Geschichte: Jede einzelne Schicht bleibt sichtbar wie die Jahresringe eines Baumstammes.

Der Fußboden wird in zwei Schichten eingebracht, poliert und mit einer Wachsemulsion eingelassen. So wird er beständig, strapazierfähig und gut zu reinigen.

Stampflehm als Leistung

Moch ma's

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